Folgende Mail habe ich am Wochenende an Unicef geschrieben, als Antwort auf ihre schon etwas ältere Pressemitteilung zum Thema Internetsperren:
Sehr geehrte Damen und Herren,
auch wenn ich bisher kein besonders großer Spender war, sah ich Ihre
Arbeit und Ihre Ziele als unterstützenswert an und habe dies nach
meinen Möglichkeiten auch unregelmäßig gezeigt.
Ihre bedingungslose Unterstützung der vom Familienministerium
getriebenen Internetsperren lässt mich allerdings fragen, ob Sie auch
in anderen Bereichen so wenig Sachverstand besitzen, dass Sie
kontraproduktive, Wahlkampf/PR-getriebene Aktionen nicht hinterfragen
und Spendengelder somit nicht bestimmungsgemäß einsetzen.
Ich möchte Sie daher bitten, meine Kontaktdaten aus Ihren Datenbanken
zu löschen - von mir werden Sie sicher kein Geld mehr bekommen.
Vielen Dank.
Mit besten Grüssen,
Christian Heßmann
Gerade erreichte mich die Antwort:
Sehr geehrter Herr Heßmann,
vielen Dank für Ihre Mail. UNICEF tritt bei dem Problem der Kinderpornografie für eine differenzierte Herangehensweise ein. Wir sind der Meinung, dass der Schutz von Kindern vor schweren Verbrechen auf der einen Seite und das hohe Gut der Informationsfreiheit auf der anderen Seite nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Wir haben in unserer Stellungnahme vom vergangenen Freitag ausdrücklich darauf hingewiesen, dass mit der Einführung von Zugangssperren die Verbrechen an Kindern nicht aufhören und diese allenfalls ein Schritt zur Störung des Massengeschäfts sein können.
UNICEF tritt seit Beginn der Debatte für eine klare gesetzliche Regelung ein, um ein rechtsstaatlich kontrolliertes Verfahren sicher zu stellen. Zugangssperren sind sicher nicht die Lösung des Problems. Deshalb tritt UNICEF für ein ganzes Bündel von Maßnahmen ein, um systematisch den Kinderschutz zu verbessern, die Strafverfolgung zu verstärken und den Opfern zu helfen.
UNICEF setzt sich weltweit für internationale rechtliche Standards im Kinderschutz ein, wie zum Beispiel auf dem von UNICEF mit initiierten Weltkongress gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen in Rio. Wir haben die Bundesregierung aufgefordert, die internationale Strafverfolgung zu verbessern und dazu beizutragen, dass Täter, die kinderpornografische Bilder auf ausländischen Servern einstellen, endlich verfolgt und entsprechende Seiten abgeschaltet werden.
Um Kinderpornografie wirksam zu bekämpfen muss auch in Forschung investiert werden, um die Nutzungshäufigkeit und die Nutzungsstrategien der Konsumenten sowie die Organisation solcher Netzwerke besser zu verstehen. In seiner Programmarbeit unterstützt UNICEF in vielen Ländern Projekte zur Prävention von sexueller Ausbeutung und Hilfen für die Opfer dieser Verbrechen.
Ich hoffe, dass wir Ihnen hiermit unsere differenzierte Position ein wenig deutlicher machen konnten.Über Ihre Unterstützung für diese wichtige Arbeit gegen die Ausbeutung von Kindern würden wir uns sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen